Freitag, 31. Januar 2014

Puerto Montt


31.01.2014
Den Freitag nutzen wir für Recherchen zu den Fährverbindungen und für einen ausführlichen Spaziergang am Hafen. In der Markthalle werden vor allem Fisch und Meeresfrüchte gehandelt, in der oberen Etage sind kleine Restaurants. Wenn irgendetwas in der Küche fehlt, gehen sie nur nach unten und holen das Gewünschte frisch. Wir essen sehr leckeren Lachs mit Gemüse, Reis und Kartoffelsalat. Immer wieder gibt es heftige Regenschauer und dann strahlenden Sonnenschein. Das ist wohl typisch für die Region und die Jahreszeit.
Abends sitzen wir im Hostel mit einem sehr netten englischen Paar zusammen, die per Rad schon von Cuzco bis Ushuaia unterwegs waren.

30.01.2014 Fahrrad: 28km, 175 Hm
Der Wetterbericht hatte leider Recht. Pünktlich zum Aufstehen beginnt es zu tröpfeln und dann zu schütten. Wir schreiben für der Blog, recherchieren Flüge, kochen noch einen Tee, es wird nicht heller. So fahren wir mit Regenhose und Tevas bekleidet dann doch los. Auf den wenigen Kilometern bis Puerto Montt fällt das Thermometer um 8 Grad auf 13°C. Wir sind froh, dass das vorher ausgesuchte Hostel Platz im Dormitorio für uns hat und trocknen uns erstmal. Skypen mit Anne und den Großeltern und gehen abends in die Stadt. Es gibt mehrere kunsthandwerkliche Märkte und den Hafen, sonst entdecken wir nicht so viel Sehenswertes. Bei einer Flasche Carmenerewein (diese Sorte hat Thomas hier zu seinem Lieblingsgetränk erkoren) lassen wir den Tag ausklingen.

Aktuelle Position:- 41.474155, -72.956584

Donnerstag, 30. Januar 2014

Auf der Interlagos Route, deutsche Siedlungen und Inflation

29.01.2014, Fahrrad 54 km, 439 Hm

Morgens beschließen wir doch nochmal zum Ort zurückzufahren um etwas über die deutsche Besiedlung zu erfahren. Im Museum lesen wir, dass 200 deutsche Familien um 1850 mit Booten in diese Gegend kamen. Sie erhielten Land, rodeten und bestellten es. Es gelang ihnen, Elemente deutscher Kultur dauerhaft zu etablieren. Kirche, Schule, Gesang- und Sportvereine, einiges gibt es bis heute.
Nach diesem Beitrag zur Bildung schwingen wir uns mittags in den Sattel und fahren über Frutillar, wo wir unsere Kalorienspeicher auffüllen nach Llanquihue.


Eine Frau spricht uns aus dem Auto heraus an, ob wir Hilfe brachen, als wir an einer Kreuzung auf die Karte schauen. Obwohl wir das gar nicht wollen, bringt sie uns bis zur Touristinfo und dann bis zum Campingplatz. Bestimmt 4 km zuckelt sie mit ihrem Toyota vor uns her. :-). Sie ist erst beruhigt, als wir ihr versichern auf dem Camping zu bleiben. Es gäbe viele Drogensüchtige und Arbeitslose, die stehlen. Auf dem Camping Baumbach schlafen wir in der Partyhalle, da für die Nacht regen vorher gesagt wird.

Aktuelle Position: -41.248324, -73.005174

Auch wenn wir uns aktuell gerade wieder in Chile befinden, wollen wir noch kurz was zur Lage in Argentinien schreiben. Opa schrieb uns nämlich, dass deutsche Zeitungen titeln: "Argentinien am Abgrund". Wir bemerken die Inflation am ehesten beim Geldwechsel und beim Einkauf. Als wir im Dezember nachfragten, war der offizielle Dollarkurs bei 6,7 ( 6,7 Argentinische Peso für einen US Dollar), in der Wechselstube bot man uns aber schon 9,2. Ein paar Tage später hatten wir in Santiago Dollars besorgt und bekamen 9,8. Letzte Woche in San Martin: wir fragen am 21.1.: 11,3 will man uns da geben, wir haben aber kein Geld dabei. Am nächsten Morgen tauschen wir für 11,5. Für die Bevölkerung ist es katastrophal, jeder versucht seine Pesos in anderer Währung anzulegen. Wenn man im Supermarkt einkauft, stimmen ca. die Hälfte der Preise an der Kasse nicht mit denen am Regal überein. Sie kommen mit dem Auspreisen nicht hinterher.

28.01.2014, Fahrrad 58 km, 325 Hm

Wir packen gerade zusammen, da kommt ein Jeep. Der Mann will nachsehen, was das auf seiner Wiese los ist. Drei Sätze spanisch, dann reden wir deutsch mit Ihm. Er hat in Osorno an einer deutschen Schule die Sprache gelernt. Wir sollen uns keine Gedanken machen, von ihm aus könnten wir den ganzen Tag bleiben. Das wollen wir dann doch nicht, sondern radeln am Lago Rupanco entlang, immer den perfekt geformten Vulkan Osorno im Blick.


In Puerto Octay fallen uns der andere Baustil der Holzhäuser und die vielen deutschen (Straßen-) Namen auf. Am See gibt es einen einfachen Zeltplatz und am Morgen auch für zwei Stunden warmes Wasser.
Aktuelle Position: -40.993770, -72.873616

27.01.2014 Fahrrad 55 km, 450 Hm

Wir frühstücken unter Beobachtung von Mutter Theresa. Die Wiese um die Kirche ist nicht gemäht und voller Morgentau. Da sitzen wir nun auf der Treppe der kleinen Kapelle und essen unsere Haferflocken. Dann geht es auf und ab nach Entre Lagos, einem kleinen Ort am Südwestufer des Sees. Am Plaza gibt es kostenloses Wifi und wir stellen Nachforschungen an, wo unser Paket abgeblieben ist, das wir im Dezember in La Rioja nach Buenos Aires zu Pablo geschickt haben. Dort ist es nämlich noch nicht angekommen. Zum Glück lassen uns heute die "tabanos" - die Pferdebremsen in Ruhe. Gestern auf dem Weg zum Pass umschwirrten uns manchmal fünf, sechs gleichzeitig. Wir haben jeder mindestens 50 erschlagen, aber auch ein paar Stiche abbekommen. Komischerweise werden diese aber nicht dick und jucken auch kaum.
Ein paar km außerhalb des Ortes finden wir eine schöne Weide zum Zelten.
Aktuelle Position: -40.707131, -72.629302

Montag, 27. Januar 2014

Mate-Tee trinken und mal wieder nach Chile

26.01.2014 Fahrrad 72km, 937 Hm

Mit unseren Zeltnachbarn trinken wir noch einen gemeinsamen Matetee, bevor es weitergeht. Die Argentinier sieht man oft mit ihrem Teegefäß und der obligatorischen Thermosflasche. Es gibt sogar Körbchen, wo beides schön reinpasst. Das Gefäß, meist innen oder ganz aus Holz, manchmal reich verziert, wird zu 2/3 mit losem Tee (Blätter und Zweige einer Stechpalmenart) gefüllt und dann mit heißem Wasser aufgegossen. Dann steckt man die Bombilla, eine Art metallenen Trinkhhalm mit Teesieb, hinein und jeder trinkt daraus. Der erste und zweite Aufguss sind sehr bitter, dann geht es, wenn man sich nicht wegen der Bombilla ekelt ;-)
An jeder Tankstelle und auf dem Camping gibt es Heißwasserautomaten. Wenn nicht, kann man auch am Fahrkartenschalter, im Geschäft oder den Zollbeamten fragen. Das man Heißwasser für Mate braucht versteht jeder und wird sofort welches kochen :-)
Wir radeln aber nun ein Stück zurück und dann über den Cardenal Antonio Samore Pass nach Chile. Wir wollen auf die Insel Chiloé und in den Pumalin-Nationalpark.

Jana hat sich das "grüne Trikot" der Bergkönigin wirklich verdient!

Die Grenzabfertigung erstreckt sich zwischen Aus- und Einreise über 60km, nichts für hungrige Radler. Diesmal muss ein Hund ausgiebig an unserem Gepäck schnüffeln, zum Glück haben wir die letzte Wurst kurz vorher vertilgt.
Einen Platz zum Zelten finden wir hinter einer Kirche.

Aktuelle Position: -40.655869, -72.189062

Sonntag, 26. Januar 2014

Aufgetaucht

25.01.2014 Fahrrad 33 km, 480 Hm
Wieder sind es nachts fast Null Grad. Erst als die Sonne über den Berg lugt, trauen wir uns aus dem Zelt. Ehe es trocken verpackt ist, ist es 11 Uhr. Zum Glück ist es bis zu unserem heutigen Ziel, Villa de Angostura, nicht so weit. Wieder wunderbare Landschaft mit Aussichtspunkten, Fotomotiven und entsprechend vielen Touristen.
Angostura ist wie San Martin los Andes kaum von einem Skitouristikort in der Schweiz zu unterscheiden. Der Campingplatz ist aber ok, saubere Sanitäranlagen, warmes Wasser auch zum Wäschewaschen, ... Wir nutzen den restlichen Tag, um den kommenden Monat zu planen. Frank möchte lieber zurück in Richtung Norden nach Santiago de Chile. Ihn stören die vielen unasphaltierten Straßenabschnitte dort weniger als uns (aber wir haben das ja in Bolivien schon ausgiebig "genossen"). Auch sind wir beim Packen und beim Fahren oft langsamer als er und er muss auf uns warten. So werden wir morgen noch gemeinsam eine Etappe fahren, bevor sich unsere Wege trennen.


24.01.2014, 64km, 620 Hm
Nach einem schönen Frühstück in der Sonne radeln wir los. Wir müssen zusehen, Lebensmittel nach zu kaufen. Bei einem Restaurant mit Lädchen bekommen wir Brot und Tomaten sowie eine Tafel Schokolade. Die Seen sind wunderschön und auch die schneedeckten Berge ringsum. Wir halten oft an und finden ein Fotomotiv nach dem Anderen.
Das Warten hat sich gelohnt!
Später wird die Straße überraschend schlecht, 23 km Ripio / Baustelle. Schotter und wieder stiebende Fahrzeuge.
Eingestaubt...
Wir brauchen dringend eine warme Dusche! Die wird uns auf dem Campingplatz auch versprochen. Am Abend feuert jemand ziemlich erfolglos eine Art Badeofen an. Die Wassertemperatur steigt kaum über 20°C. Erst als "Diplomheizer" Thomas Hand anlegt, können wir den Staub abspülen.

23.01.2014 Fahrrad 0 km

Das Wetter am Morgen verlockt nicht zum Aufstehen und erst recht nicht zum Weiterfahren. Es ist kalt. Die Sachen alle klamm. Auf den Berggipfeln 100 m höher liegt Schnee. Aus Langeweile und weil wir nicht wissen, wie lange wir den Unterstand noch nutzen, steigen Frank und Thomas wieder aufs Zwischendach. Sie legen Wellblechtafeln mit Gefälle aus und unsere "Villa Tropf" wird richtig regenfest.
"Villa Tropf"
Ab Mittag lockert die Bewölkung auf. Aber zwischen kleinen Sonnenflecken regnet es immer wieder. Am Nachmittag trocknen wir Zelt, Schlafsack und Sachen. Wir beschließen eine weitere Nacht zu bleiben, da wir die schöne Landschaft auch genießen wollen. In der Nacht ist herrlicher klarer Sternenhimmel. Kein Tropfen mehr. Dafür fällt das Thermometer in der Frühe auf unter 0℃.

22.01.2014, Fahrrad 21 km, 500 Hm

In der Nacht beginnt es zu regnen. Gleichförmig prallen die Tropfen auf unser Zeltdach. Es klingt nicht so, als wollte es gleich wieder aufhören. Wir zögern bis zum Mittag. Aber noch eine Nacht wollen wir nicht da bleiben, der ganze Platz ist schlammig. Also packen wir das nasse Zelt ein und fahren zuerst am See entlang und dann die Straße ca. 15 km bergan. Es regnet und auch von innen helfen wir mit Schwitzen nach, die Sachen zu durchnässen. Wir finden ein verlassenes Holzhaus mit halbfertigem Dach und stellen uns erst mal unter. Der Regen lässt nicht nach. Frank und Thomas legen auf der Zwischendecke Wellblechtafeln aus. Es tropft zwar hier und dort, ist aber besser als das nasse Zelt. Es gibt ein verrostetes Bettgestell und eine nicht eingebaute Tür, also drei Schlafplätze.
Sterne bekommt das "Hotel" nicht, aber wir sind trotzdem froh es gefunden zu haben
Wir verbringen die Nacht halbwegs trocken, nur das Trommeln der Regentropfen auf dem Blech wird immer stärker.


21.01.2014, Fahrrad 50km

In Junin los Andes kaufen wir noch ein paar Lebensmittel und treffen 3 Argentinier mit Fahrrädern, die auch nach San Martin wollen. Wir starten zeitgleich. Am Anfang sind die Jungs schneller, aber unterwegs holen wir sie wieder ein. Ca. 16 km haben wir die steife Brise schräg von hinten, dann aber für die restlichen 23 km von vorn. Der Campingplatz von San Martin ist nicht schön. Laut, da direkt an der Hauptstrasse, dreckig (kaum Gras) und keine Sitzgelegenheiten. Teuer ist er obendrein. (Sogar teuerer als alle Hostels, die wir hatten!) Aber wir wollen bei dem Wind nicht weiterfahren und müssen fur die nächsten Tage auch noch einkaufen, Geld tauschen, ...
Also bleiben wir für eine Nacht. Die Höhenmeter für heute können wir erst später angeben. Durch die heftigen Sturmböen weist das GPS (das die Höhe über Luftdruck ermittelt) 1200 Hm aus, die wir nun wirklich nicht gefahren sind. Bei jedem Windstoß, (der uns manchmal fast von der Straße fegt), springt die Höhenanzeige um 10 m auf und ab.





Dienstag, 21. Januar 2014

Stempeln gehen...

20.01.2014,  Fahrrad 91 km (davon 30km Piste!), 1000Hm

Der Bequemlichkeit halber und weil es abends nach Regen aussah, schlafen wir gleich im nagelneuen Aufenthaltsraum des Campingplatzes und sind entsprechend zeitig auf dem Rad.
Unser Schlafplatz im neuen Aufenthaltsraum
Es geht sofort steil bergan. Als ob das nicht schon anstrengend genug ist, hört auch noch der Asphalt auf. Eine elende Waschbrettpiste mit lockerem Schotter zieht sich bis zum Pass, der gleichzeitig Grenze ist.
Kein Banküberfall, nur Staubschutz
Von den chilenischen Fahrzeugen, die uns einstauben, ist mindestens die Hälfte neu und groß. Mercedes und VW Jeeps, Toyota Hilux, Porsche... irgendwie glauben wir Bernd nicht, das das Durchschnittseinkommen nur 1000 US Dollar betragen soll.
Die Grenzformalitäten dauern wieder eine Stunde. Wir bekommen Chile-Stempel Nummer 8 und 9, so wird der Pass auch voll. Diesmal will keiner unsere Packtaschen sehen, umsonst fast alles aufgegessen. Dafür müssen wir die folgenden 60km mit zwei Rollen Keksen auskommen, den nächsten Laden gibt es nämlich erst in Junin de los Andes. Die ersten Kilometer auf argentinischer Seite sind auch Schotter, dann treibt uns Rückenwind auf glattem Asphalt 35km vorwärts.

Dann dreht leider die Straße und auch der Wind, so dass wir uns nochmal anstrengen dürfen. In Junin gehen wir auf den Camping, der so teuer wie manches Hostel ist :'-( Aber wir wurden schon gewarnt, dass im Süden alles noch preisintensiver wird.



19.01.2014, 59 km Fahrrad, 500 Hm

Wir packen zusammen und wollen weiter. Es geht in Richtung Junin los Andes, also wieder nach Argentinien. Da der Pass Mamal Mamul  ca. 1200 m hoch ist und wir nicht die 1000 Hm an einem Tag hoch strampeln wollen, holen wir in der Therme Trancura das gestern ausgefallene Warmbad nach. Mit weichen Knochen fahren wir durch den Mapuche-Ort Curarrehue und dann noch bis zu einem gemütlichen Campingplatz. Wir müssen wieder sorgfältig unsere Essensrationen kalkulieren, da wir nichts mit über die Grenze nach Argentinien nehmen dürfen. Die Kontrollen sind unterschiedlich streng und wir wollen nichts konfisziert bekommen. Aber selbst am Sonntagabend gibts frische Brötchen in einem kleinen Laden.

18.01.2014,10 km Fahrrad
Der Abend mit Franz und Bernd gefiel uns so gut. Wir haben viel gelacht, aber auch viel über Chile gelernt. Als uns Franz am heutigen Morgen sagt, er ziehe vom Camping auf das Grundstück zu Bernd um und uns fragt, ob wir nicht mitkommen wollen, beschließen wir spontan noch einen Tag in Pucon zu verbringen. Thomas hat noch etwas Muskelkater von der Vulkanbesteigung und Jana bleibt an schönen Orten immer gern einen Tag länger. Mit Franz essen wir gemeinsam bei einer Mapuche-Frau Mittag. Es gibt lecker Gemüsesuppe mit Fleisch und dazu Salat. Es erinnert uns etwas an die Mamitas in Peru und Bolivien. Am Nachmittag fahren wir mit dem Bus in Richtung Huerquehue Nationalpark und wollen eine illegale Therme besuchen, die idyllisch direkt neben einem wildromantischen Fluss ist. Franz war schon im November mal dort. Aber leider finden wir das kleine Becken zerstört vor. Jemand will das warme Wasser kommerziell nutzen. Wir baden 3 h im Fluss, es ist ja mit 35 ℃ auch wieder warm genug heute. Frank und Jana bauen mit Steinen und Kies ein Mäuerchen um die Thermalquelle. Eine Person kann dann schon wieder im heißen Wasser liegen ;^)
Auf dem Rückweg zu Bernds Wiese (6 ha) versüssen wir uns das Warten auf den Bus mit Kaffee und lecker Himbeerkuchen in einem kleinen Restaurant am Straßenrand. Der Abend ist wieder lustig, wie der vorige.

Samstag, 18. Januar 2014

Pucón

15./16./17.01.2014
Fahrrad: 74 km, 297 Hm / 40 km, 292 Hm / 0 km, 0 Hm

Wir wollen heute von Temuco aus bis kurz vor Villarica. Der stetige Gegenwind bremst uns. Wir belohnen uns mit einer 6kg schweren Melone. Als wir sie verspeist haben, können wir kaum noch treten, der Bauch schleift auf den Oberschenkeln. 10 km vor Villarica findet Thomas eine nicht verschlossene Wiese, auf der wir zelten.

Am nächsten Tag sind wir zeitig genug in Pucon, um uns nach den Touren zum Vulkan zu erkundigen. Wir zelten auf den städtischen Camping und Frank und Thomas buchen für morgen die Besteigung des Vulkans Villarrica . Jana entscheidet sich für 3 Stunden Reiten mit anschliessendem  Besuch im Thermalbad.
Auf dem Campingplatz treffen wir einen Radler aus dem Schwarzwald. Franz ist 61 und auch ein halbes Jahr in Chile und Argentinien unterwegs. Wir grillen gemeinsam und quatschen lange.

5:30 Uhr aufstehen heißt es am kommenden Morgen. Die Tour auf den 2837 m hohen Vulkan startet eine Stunde später am Reisebüro in der Stadt. Mit dem Kleinbus fahren wir bis auf 1400 m in den Nationalpark. Dort ist dss Skigebiet der Region. Mit einem Lift geht's noch bis auf 1800 m, dann zu Fuß. Unser Guide geht sehr langsam, immer 45 min. dann 15 min. Pause. Obwohl wir ab ca. 2000 m im Schnee laufen, brauchen wir keine Steigeisen. Tiefe Spuren führen im Zickzack zum Kraterrand, der 200 m Durchmesser hat. Ca. 150 m tief kann man in den Schlund hineinsehen, aus dem schweflig riechende Gaswolken aufsteigen.


Der letzte große Ausbruch war 1948. 1971 zerstörte eine Lawine aus Lava und geschmolzenem Eis einen Ort zur Hälfte, es gab 24 Tote damals.
Der "Abstieg" ist einfach. Mit derben Jacken und Hosen bekleidet rutschen wir Im Schnee fast 1000 m wieder hinab! Das macht Spaß und vermeidet die Knieschmerzen. Allerdings sind unsere Hosen und Unterhosen dann auch durchnässt. Die Sonne trocknet es aber schnell wieder.

Jana hat auch Spaß mit Pferd und den anderen vier "Reitern". Sie sind drei Stunden im Gelände unterwegs mit immer wieder schönen Ausblicken auf die Berge und Vulkane. Fazit, Unterschied Reiten - Radfahren: Reiten ist noch staubiger und bergab deutlich anstrengender als bergauf.


Der Besuch der Therme danach war sehr angebracht.
Am Abend kommt ein Freund von Franz zum Campingplatz. Wir grillen nochmals leckeres Fleisch, weil von gestern noch Holzkohle übrig blieb. Von Bernd, der seit sieben Jahren quasi hier in Chile lebt, erfahren wir einiges über Chile, was wir bisher nicht bemerkten oder wussten.

Aktuelle Position: -39.280967, -71.979431

Freitag, 17. Januar 2014

In der Stadt der Deutschen und der Araukaner

14.01.2014
Fahrrad: 25km
Juan bewohnt mit seiner Frau Carla und der einjährigen Tochter Olivia ein großes Haus mit parkähnlichem Grundstück. Der Bischof von Temuco hat wohl früher dort gelebt. Im vorbildlich gepflegten Garten bauen sie allerlei Gemüse an, haben neue Obstbäume gesetzt und wollen ein großes Gewächshaus errichten. Gestern gab es selbstgezogene Zuchhini mit gerösteten Sesamkernen, lecker. Wegen der kleinen Tochter wollen sie im Moment keine großen Fahrradtouren machen und holen sich die Welt mit Radreisenden zu sich heim, Glück für uns. Wir bekommen zwei Gästezimmer und dürfen uns in Ruhe fertigmachen, denn die Bediensteten sind morgens da, als die Eltern zur Arbeit fahren.
Wir radeln nur bis Temuco, stellen unsre Sachen in einem ziemlich abgewohnten Hostel ein und inspizieren erstmal die Markthalle. Neben frischen Heidel- und Himbeeren leisten wir uns ein leckeres Mittagessen. Frank isst Kotelett, Thomas Huhn und Jana Pastel de Choclo, ein Gericht mit Zwiebel, Hühnerfleisch und einer überbackenen Maiskruste. Es soll einer Umfrage nach das Lieblingsgericht von 20% der Chilenen sein und auch hier essen es viele der Gäste. Auch uns schmeckt es.
Dann schlendern wir durch die Stadt (250 Tsd Ew.), in der auch viele Deutsche leben. Ein Mann erzählt uns, dass es jetzt die 4. Generation sei, anfangs ins Land geholt um Sümpfe trockenzulegen und Wälder zu roden, heute Farmer. Überall lesen wir deutsch klingende Namen.
Nur Frank ist abends noch auf den Berg geradelt, deshalb hier ein Bild von Wikipedia:       Temuco vom Berg Cerro Ñielol aus
Später tun wir noch was für unsere Bildung und besuchen das Mapuche Museum. Die Stadt ist auch Zentrum der Mapuche (Araukaner), ein indigenes Volk, das in Chile und Argentinien lebt.

In der Markthalle wurde uns sogar ein Wörterbuch Mapudungun - Spanisch angeboten, da hätten wir dann auf beiden Seiten nichts verstanden :-) Aber 200000 Menschen nutzen diese Sprache noch regelmäßig.